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Alles Porno...?!

Sexualpädagogin Christa Plank beantwortet Fragen über Pornos und räumt mit Vorurteilen auf.

Früher waren es noch Zeitschriften und Video-Kassetten, heute lassen sie sich hauptsächlich im Internet finden: Pornos. Was ist überhaupt ein Porno? Können Pornos süchtig machen? Ist alles, was darin gezeigt wird echt? In diesem Blog-Beitrag versuche ich dir diese Fragen zu beantworten. So können vielleicht auch ein paar Gerüchte aus der Welt geschaffen werden, die sich rund um dieses Tabu-Thema drehen.

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Was ist ein Porno?

Pornos gab es schon im alten Griechenland, damals wurden sie noch mit der Hand gezeichnet. Porno ist eine Abkürzung für „Pornografie“ und wenn heute jemand über Pornos spricht, dann sind damit meistens Videos gemeint. In diesen Videos werden Personen gefilmt die miteinander Sex haben. Diese Personen, sowie die Kameraleute und Techniker*innen, werden für ihre Arbeit bezahlt. Am meisten Geld verdienen an Pornos allerdings Produktionsfirmen, die ihre Arbeiter*innen nicht immer fair bezahlen. Ein Großteil der Mainstream-Pornografie wird außerdem für heterosexuelle Männer produziert ( = Männer die sich von Frauen angezogen fühlen), der Inhalt dieser Pornos ist oft frauenfeindlich. Dafür, sowie für die unfairen Arbeitsbedingungen der Arbeiter*innen, wird die Porno-Industrie oft kritisiert.

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Good-to-know In Italien ist es ab 18 Jahren erlaubt sich einen Porno zu kaufen beziehungsweise anzusehen. Wer sich einen Porno mit minderjährigen Darsteller*innen herunterlädt macht sich strafbar.


Ist alles, was in Pornos gezeigt wird auch echt?

Diese Frage ist leicht zu beantworten: Nein! In Pornos wird zunächst „nur“ Sex gezeigt, die zwischenmenschliche Beziehung zwischen Personen spielt so gut wie gar keine Rolle. Das wichtigste, dass du aber über Pornos wissen solltest: Ein Porno-Film ist ein Spiel-Film. Das bedeutet, dass der Inhalt von Schauspieler*innen einstudiert und gespielt wird, so wie in anderen Filmen auch. Wenn in einem „normalen“ Film eine Frau ein Kind bekommt, eine Person stirbt oder jemand auf einer Banane ausrutscht, dann ist das ja auch nur gespielt. So ist es auch in Porno-Filmen. Das bedeutet nicht, dass gar alle Inhalte die in einem Porno gezeigt werden, total unrealistisch sind. Sie sind allerdings für dieses spezielle Video einstudiert, geprobt, wiederholt und mit einem Programm zugeschnitten worden.

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Und jetzt mal Klartext?

Okay, langer Rede kurzer Sinn: In Pornos wird viel übertrieben und getrickst, so wie in anderen Filmen eben auch. In den meisten Pornos (es gibt immer Ausnahmen), stöhnen Frauen schon bei der kleinsten Berührung, Männer bekommen sehr schnell einen harten Penis (= Erektion) und wenn Personen in einem Porno Sex haben, wird meistens „geleckt“ und/oder „geblasen“.

Auch körperliche Merkmale werden überbetont: große Brüste, überdimensionale Penisse und viel Körperflüssigkeit beim „abspritzen“. Die großen Brüste sind oft operiert, das ist kein Geheimnis. Manche Darsteller*innen lassen sich sogar ihre Labien operieren (umgangssprachlich „Schamlippen“ genannt – aber warum sollte sich eine Frau dafür schämen?), damit diese „perfekt“ symmetrisch sind. Dies widerspricht der Realität und macht eine Frau zu einem gekünstelten Objekt.

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Männer hingegen, haben in Pornos sehr schnell einen harten Penis und können diese Erektion auch scheinbar sehr lange halten. Dies kann durch Zuschnitte und Pausen in der Dreharbeit koordiniert oder durch Medikamente beeinflusst werden. Wenn ein Porno-Darsteller einen überdimensionale Penis hat, handelt es sich oft um einen Silikon-Aufsatz, also einen Fake-Penis, der über den echten Penis gestülpt wird.

Und die ganze Körperflüssigkeit? Auch diese ist oft ein Fake; mit Hilfe von verschiedenen Kameraeinstellungen wird oft künstliches Sperma (z.B. Flüssigseife) herum gespritzt. Ein Mann spritzt nämlich in Realität meistens nicht mehr als ein Teelöffel voll Ejakulat (= Samenerguss) ab.

Noch eine Beobachtung: Verhütung spielt in Pornos so gut wie keine Rolle, nur selten ist wirklich sichtbar ob oder, dass Darsteller*innen, die miteinander Sex haben, auch verhüten.

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Porno-Sex wird oft so übertrieben dargestellt, damit Zuschauer*innen in ein schnelles Gefühl der Erregung kommen. Bei manchen funktioniert das auch, bei anderen nicht. Denn nicht alle Personen finden Pornos erregend oder geil.


Können Pornos süchtig machen?

Pornos können so wie Shopping, Alkohol, Zigaretten oder Videospiele auch süchtig machen. Damit will ich dir keine Angst machen, aber es ist wichtig darüber informiert zu sein. Manche Personen schauen sich immer, wenn sie sich selbst befriedigen, einen Porno an. Dann ist es wichtig zu beobachten, ob Selbstbefriedigung auch ohne Porno möglich ist. Wenn nach dem Ansehen eines Pornos immer öfters ein negatives Gefühl überwiegt (z.B. Einsamkeit, Traurigkeit oder Langeweile) sollte eine Zeit lang auf Pornos verzichtet oder der Konsum verringert werden. Ein Anzeichen für eine potenzielle Sucht könnte auch sein, dass das Sehen eines Pornos zum Zwang wird und man die Kontrolle darüber verliert wann und wo sich ein Porno angeschaut wird.

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In einem solchen Fall ist es wichtig mit jemanden darüber zu sprechen, auch wenn es ein Tabu-Thema ist. Du kannst dich zum Beispiel bei Young+Direct anonym beraten lassen.



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