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Und jetzt?

Die eigene (berufliche) Zukunft selbst gestalten

Der Wechsel von Mittelschule auf eine weiterführende Schule ist für manche gar nicht so einfach. Wohin? Was passt am besten zu mir? Wo und wie fühle ich mich am wohlsten? Ähnlich geht es denen, die bald vor ihrem Abschluss, z.B. der Matura stehen. Und auch jene, die in einer Schule merken, dass das doch nicht ganz ihres ist, begeben sich auf die Suche nach den idealen nächsten Schritten für ihre Zukunft.

Frauen in Unterwäsche in einer Reihe

Wir haben mit Alexa Seebacher gesprochen. Sie ist Amtsdirektorin des Amtes für Ausbildungs- und Berufsberatung der Autonomen Provinz Bozen und kennt viele junge Menschen, die sich Gedanken um ihre (berufliche) Zukunft machen.


Wer sucht denn den öffentlichen Dienst für Ausbildungs- und Berufsberatung auf?

Zu uns können alle kommen, die Informationen zum Thema Ausbildung, Studium oder Beruf wünschen und Beratung/Unterstützung in der Entscheidungsfindung suchen: das Alter spielt hierbei keine Rolle, wir arbeiten mit Mittelschüler*innen, Jugendlichen der Oberstufe, Erwachsenen.


Jugendliche und Erwachsene gehen also unter anderem zur Berufsberatung, um Orientierung zu finden für die weitere Ausbildung oder eine berufliche Laufbahn. Wie können wir uns ein Erstgespräch vorstellen?

Die individuelle Beratung ist das Herzstück des Amtes für Ausbildungs- und Berufsberatung. Im Erstgespräch geht es zu aller erst um eine Erwartungsabklärung: Was erwarten die Jugendlichen (und ihre Eltern) vom Gespräch bzw. welche Fragen und Anliegen möchten sie geklärt haben?

Je nach Anliegen gestaltet sich in Folge das Beratungsgespräch: Es wird zu Interessen, Wünschen, Werten und Zielen oder stärker zu Fähigkeiten und Möglichkeiten gearbeitet oder es werden Informationen zu Ausbildungswegen, Studien, Berufsinhalten oder Arbeitsmarktchancen vermittelt.

Wir unterscheiden zwischen Gesprächen, in denen es stärker um Orientierung geht und Gesprächen, wo der Bedarf an Informationen vorrangig ist. So genau lässt sich dies in der Praxis aber oft nicht trennen und die Berufsberaterinnen und Berater leisten beides. Dabei verwenden sie unterschiedliche Orientierungshilfsmittel und haben eine reichhaltige „Werkzeugkiste“ zur Verfügung (Fragebögen, Bilder, Tests). Manchmal gibt es auch Folgetermine (1-4 Stunden). Falls es angebracht scheint, wird im Amt von Psychologinnen/Psychologen eine Potentialanalyse durchgeführt, der aber stets eine Beratung vorausgeht. Die Potentialanalyse ist eine Testbatterie mit genormten Tests.

Was die Informationen anbelangt, arbeiten wir u.a. mit unserer Homepage, die einen Überblick und Detailinformationen über die Ausbildungswelt in Südtirol, Schulen, Weiterbildungsmöglichkeiten, Studien im In- und Ausland und Berufe gibt. Die Berufsberaterinnen und Berufsberater erkunden Schulen und Berufe, um dieses Wissen an die Jugendlichen und Erwachsenen weitergeben zu können.


Die Beraterinnen haben eine pädagogische und/oder psychologische Ausbildung und zahlreiche Fortbildungen im Orientierungsbereich absolviert. Deshalb ist unser Ansatz personenzentriert und ressourcenorientiert.


Was ist das Besondere an der öffentlichen Ausbildungs- und Berufsberatung des Landes?

Die Beratung ist für die Ratsuchenden kostenlos bzw. die Kosten werden vom Land Südtirol getragen und die Beraterinnen und Berater bilden sich kontinuierlich weiter.

Wichtig ist uns auch auf die Schweigepflicht der Beraterinnen und Berater und deren absolute Neutralität hinzuweisen: Ihre Aufgabe ist es zu beraten und die Jugendlichen in ihrer Entscheidungsfindung zu unterstützen, aber nicht in eine bestimmte Richtung zu steuern.


Hat sich durch Corona was geändert?

Durch Corona erfolgte eine rasche Umstellung auf Videokonferenzen als Beratungsformat. Die digitale Beratung ergänzt heute die Beratung in Präsenz mit großem Erfolg. Zusätzliche Online-Tests und Hilfsmittel wurden erprobt und erfolgreich eingesetzt, um Jugendlichen auch online eine Orientierungshilfe zu bieten.

Das Ziel, Jugendliche in ihrer Entscheidungsfindung zu begleiten, ihnen eine Hilfe in der Ausbildungswahl zu sein, sie in ihrer Selbstreflexion zu Interessen, Fähigkeiten, Wünschen, Werten und Zielen zu unterstützen, wurde trotz Corona erreicht.

Die Beraterinnen und Berater mussten die Herausforderungen des neuen Beratungsformates annehmen, was auch bedeutete, auf das vertraute Setting zu verzichten und sich auf Neues einzulassen.

Derzeit können die Ratsuchenden wählen, ob sie die Beratung in Präsenz oder online machen wollen. Somit ist es gelungen, einen Mehrwert zu schaffen und dem Orientierungsauftrag gerecht zu werden.

Können Sie beobachten, dass eine bestimmte Gruppe von Jugendlichen öfters bei Ihnen vorstellig wird als eine andere?

Hauptzielgruppe sind Jugendliche der Mittelschule mit deren Eltern und Jugendliche der Abschlussklassen der Oberstufe, die letzthin auch des Öfteren von den Eltern begleitet werden. Aber auch Schulwechslerinnen und Schulwechsler kommen in Beratung. Die Beratungssituationen sind insgesamt komplexer geworden. Die Beraterinnen und Berater arbeiten bei Bedarf im Netzwerk mit anderen Institutionen.


Welches sind die meistgenannten Anliegen der Jugendlichen?

Für die Jugendlichen ist die Auseinandersetzung mit ihrer Zukunft wichtig. Die Ausbildungs- und Berufswahl ist ein zentraler Moment in der Identitätsfindung der Jugendlichen. Traditionelle Werte (Familie, gesichertes Einkommen, Freude an der Arbeit, Karriere) sind ihnen wichtiger, als manchmal angenommen.

Grundsätzlich verspüren wir einen hohen Druck, der auf den Jugendlichen lastet. Einige wollen ihre Laufbahn möglichst „perfekt“ gestalten (die „beste“ Ausbildung, hoher Notendurchschnitt, einen „guten“ Beruf (wie immer dieser auch definiert wird?), Auslandsaufenthalt usw.), während sich andere komplett „ausklinken“.

Als Berufsberaterinnen und Berufsberater bewerten wir nicht, sondern hören in erster Linie gut hin und gehen auf die Jugendlichen ein. Wir wissen es nicht besser, sondern wir können ihnen eine Hilfe sein.

Ziel der unterschiedlichen Angebote ist es, die Jugendlichen anzuregen, sich mit Fragen zur Ausbildungs- und Berufswahl aktiv auseinanderzusetzen, sich mit sich selbst, den eigenen Wünschen und Möglichkeiten zu beschäftigen, Informationen einzuholen und überlegte Entscheidungen zu treffen.

Uns ist es ein Anliegen, dass diese jungen Menschen ihren ganz persönlichen Weg finden und wünschen ihnen von Herzen alles Gute!



Danke, für das Gespräch!

Kleiner Hinweis: Wir haben mit Matura und dann?! versucht, einige Infos zu sammeln und euch zur Verfügung zu stellen. Klickt euch mal durch! #jdue




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